Das Katzenhaus des Wiener Tierschutzvereins

17.08.2017 17:08
Wie ihr bereits wisst, mache ich schon seit einigen Jahren bei der jährlichen Aktion „Christkind für Tiere“ des Wiener Tierschutzvereins mit. Als ich vor kurzem in einer österreichischen Tageszeitung wieder einen Artikel über eine Katzenrettung des WTV (Rettung einer Katzenmama mit ihren Kitten) las, wollte ich gerne mehr über die Arbeit des Tierschutzvereins -insbesondere deren Arbeit mit Katzen- erfahren. Auf meine Anfrage hin wurde ein Termin vereinbart, an welchen ich das Katzenhaus besuchen, mich über die Arbeit informieren und alle Fragen stellen konnte die mir auf dem Herzen lagen. Was ich bei meinem Besuch des Katzenhauses erfahren und gesehen habe, werde ich Euch jetzt gleich erzählen...

Das Katzenhaus des Wiener Tierschutzvereins ist ein zweistöckiges Gebäude. Im Untergeschoß, leben Katzen, welche für die Vergabe bereit sind; sowie in separaten Räumen Katzenmütter mit ihren Jungen. Bis auf die Quarantäne- und Krankenräume verfügt jedes Zimmer über einen Innen- und einen Außenbereich. In den Zimmern selbst befinden sich verschiedene Kratzgelegenheiten, die Futterplätze, Spielzeug, sowie die stillen Örtchen. Grundsätzlich teilen sich mehrere Katzen (wie z.B. die stolzen, anhänglichen Kater Jerry und Inco) die Räume; Ausnahmen bilden hier jedoch die sogenannten Einzelkatzen wie z.B. die elegante Katzendame Heidi. Diese Fellnäschen dulden keine Artgenossen neben sich. Ebenso „Einzelzimmer“ haben Katzenmamas mit ihren Kitten, da diese spezielle Bedürfnisse (z.B. Ruhephasen) haben.

Im Obergeschoß leben Katzen -wie z.B. der charmante Ataxie-Kater Philipp- welche aufgrund besonderer Bedürfnisse (ständige Medikamenteneinnahme, Handicaps, Verhaltensauffälligkeiten...) nicht so leicht vermittelt werden können. Auch Katzen, welche aus diversen anderen Gründen kein zu Hause finden leben im ersten Stock des Katzenhauses. Selbstverständlich verfügen auch in diesem Bereich die Zimmer über einen Innen- und einen Außenbereich. Ebenfalls sind die Räume mit allem was eine Katze an Ausstattung braucht eingerichtet. Des Weiteren wird versucht, die Zimmer nach den besonderen Bedürfnissen der Katzen weiter zu adaptieren; so ist z.B. das Lieblingszimmer von Ataxie-Kater Philipp ausgepolstert. Im Gegensatz zum unteren Bereich des Hauses, können sich die kätzischen Bewohner des Obergeschoßes auch auf den Gängen frei bewegen; da in diesem Bereich ein Besuch nur mit vorheriger Terminvereinbarung erfolgen kann.

Doch nicht nur „normale“ Hauskatzen werden vom Wiener Tierschutzverein in Obhut genommen, sondern auch wilde Katzen. Diese wilde Katzen sind keine „echten Wildkatzen“, sondern Katzen, die seit Geburt an keinen menschlichen Kontakt gewöhnt sind und dementsprechend scheu sind. Diese Fellnäschen kamen aufgrund von diversen Rettungsaktionen zum WTV. Nach der Rettung von wilden Katzen, werden diese untersucht, geimpft und kastriert. Diejenigen, welche gesund sind und denen keine Gefahr in ihrem alten Revier droht, dürfen nach der Kastration und Impfung dorthin zurück. Kranke und gehandicapte Tiere werden ebenfalls kastriert und geimpft, verbleiben jedoch beim Tierschutzverein und dürfen in einem großen Freigehege mit Unterschlüpfen ihren Lebensabend verbringen, da sie aufgrund ihres Lebensverlaufes nicht vermittelt werden können.

Das das Wirken des Vereines mit der Rettung von Katzen allein nicht abgetan ist, kann sich wohl jeder vorstellen. Denn wie jeder Katzenhalter weiß, gehört zur Haltung einer Katze nicht nur das Streicheln und Spielen, sondern auch andere notwendige, tägliche Tätigkeiten wie z.B. die Reinigung der Katzentoiletten, Fütterung... u.v.m. Diese Arbeiten fallen natürlich auch im Katzenhaus des Wiener Tierschutzvereines an. Allerdings, aufgrund der Anzahl der Katzen, um einiges umfangreicher. Deshalb sind die täglichen Tätigkeiten und Abläufe gut durch koordiniert: In der Früh steht als erstes die Fütterung der Fellnäschen auf dem Programm; danach werden die Zimmer, Gänge gereinigt und desinfiziert. An den Vergabenachmittagen (Mittwoch bis Sonntag; 13:30 – 17:00) können sich Besucher die Katzen anschauen, an den übrigen Tagen ist am Nachmittag quasi Ruhezeit. Am frühen Abend steht dann wieder die Fütterung der Katzen an, danach gibt es Spiele- und Schmusestunden mit den Pflegern.

Obwohl die Tage im Katzenhaus einem gewissen Ablauf folgen, gibt es doch Situationen die nicht geplant werden können. Dies sind neben Rettungsaktionen, auch die Abgabe von Katzen (persönlich durch den Mensch oder Ausgesetzt vor der Türe des WTV). In solchen Fällen werden diese Katzen natürlich im Katzenhaus aufgenommen. Nach der Aufnahme erfolgt, -abhängig vom Zustand des Tieres- die medizinische Versorgung. Danach wird kontrolliert ob die Katze bereits kastriert ist. Ist sie nicht kastriert, so wird eine Kastration durchgeführt. Ebenfalls wird kontrolliert ob das Tier einen Chip trägt (Falls ein Chip gefunden wird, werden die darauf gespeicherten Informationen bei verschiedenen Registrierungsstellen abgefragt), sollte dies nicht der Fall sein wird die Katze gechippt. Hierzu ein wichtiger Hinweis: Wenn Eure Katze gechippt ist/wird, erkundigt Euch auf jeden Fall beim jeweiligen Tierarzt, ob der jeweilige Chip auch in einer dementsprechenden Datenbank registriert wird, denn sonst würde das chippen keinen Sinn machen...:)

Da man leider zumeist kaum oder gar keine Informationen über die „neue“ Katze hat, ist die Situation für das Tier besonders schwer. In diesem Moment tun sich für die Mitarbeiter des Katzenhauses viele Fragen auf, wie z.B.: „Was frisst die Katze?“; „Ist sie eine Einzelkatze?“; „Hat sie besondere Bedürfnisse/Eigenheiten“? „Versteht sich die Katze mit Hunden?“ Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen hilft nur eines: Einfühlungsvermögen und das alte Sprichwort „Probieren geht über studieren“... In puncto Futter bedeutet dies, das solange verschiedene Futtersorten angeboten werden, bis die „richtige“ Sorte gefunden ist. Nach einiger Zeit im Katzenhaus wird die „neue“ Katze in ein Zimmer gebracht, wo bereits mehrere Fellnäschen leben. Danach wird ihre Reaktion auf die anderen Artgenossen beobachtet. Zeigt sich der Neuzugang den anderen Katzen gegenüber abwehrend/aggressiv und lehnt somit deren Gesellschaft ab, bekommt die Katze ein eigenes Zimmer. Was die Eigenheiten des jeweiligen Fellnäschens betrifft, so werden diese in den abendlichen Spiele- und Schmusestunden zumeist sichtbar. Die Frage wie eine Katze auf Hunde reagiert, wird mithilfe eines katzenfreundlichen, wohlerzogenen Hundes beantwortet und läuft wie folgt: Der Hund wird in das Zimmer der jeweiligen Katze gebracht und danach deren Reaktion auf diesen genau beobachtet, danach haben die Pfleger Gewissheit ob die Katze „Hunde freundlich“ ist oder nicht...

Wenn soweit alle oben stehenden Fragen bezüglich einer Katze geklärt sind und sie für ein neues zu Hause bereit ist, erscheint ihr Name auf der Vergabeliste. Wenn sich jetzt jemand für eine Katze aus dem Katzenhaus ernsthaft interessiert, wird ein längeres Gespräch zwischen dem Interessenten und einem Mitarbeiter geführt. In Zuge dieses Gespräches wird dem potenziellen Halter erklärt, dass Katzen grundsätzlich nur zu zweit vergeben werden, wobei hier Einzelkatzen eine Ausnahme bilden. Des Weiteren werden die Bedürfnisse des jeweiligen Tieres geschildert (z.B. Freigang, keine Hunde, keine Kinder...) und dessen Vorgeschichte erzählt (wenn bekannt). Auch Fragen zur Lebenssituation des Interessenten werden gestellt. Dies ist allerdings keine Schikane, sondern dient dem Wohle der Katze und in weiterer Folge auch dem Wohl des Menschen! Denn nicht jede Katze passt zu jedem Menschen... Es nutzt z.B. nichts einen Freigänger an einen Platz in reiner Wohnungshaltung zu vermitteln. Dies bringt nur Ärger (z.B. Unsauberkeit, Aggressivität...) und die Katze würde wieder im Katzenhaus landen! Um diesen Ärger für alle Beteiligten zu vermeiden, werden wie bereits im Vorfeld geschrieben, Fragen zur Lebenssituation gestellt und abgeklärt! Es soll ja schließlich ein Happy-End geben...:)

Nachdem soweit alle Fragen geklärt sind und der potenzielle Halter „seine“ Katze(n) gefunden hat, kann er nach dem Vorzeigen eines gültigen Lichtbildausweises, der Vorlage eines Meldezettels und der Entrichtung einer Schutzgebühr/Vergabegebühr (darin sind die Kastration, Impfungen, Entwurmungen sowie einen Chip und dessen Registrierung inkludiert) seinen neuen Mitbewohner mit nach Hause nehmen. Die Schutzgebühr beträgt: für 1 Katze = € 165,-; 1 Kater = € 135,-/für 2 Katzen = € 230,-; 2 Kater = € 230,-). Danach kann der Start in ein neues und hoffentlich glückliches Katzenleben los gehen...

Die Pfleger und Mitarbeiter des Katzenhauses freuen sich über jede Katze die ein neues Leben an der Seite eines Menschen beginnen kann! Sie arbeiten unermüdlich und mit unglaublichen Engagement daran, dass jedes Fellnäschen eine zweite Chance bekommt und das ihr Aufenthalt im Katzenhaus bis dahin so angenehm wie möglich ist. Da wird dann nicht um z.B. Punkt 17:00 Uhr Dienstschluss gemacht, sondern oft viel später... Weil da noch eine Zusatzrunde gespielt wird, dort noch ein paar Streicheleinheiten mehr gebraucht werden... :)

Zusätzlich zu ihrer tollen Arbeit mit den Katzen, müssen die Mitarbeiter und Pfleger des Katzenhauses eine massive Herausforderung meistern: Die Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes! Durch die Altlasten (der ehemaligen Raffinerie Vösendorf) auf dem Grundstück des WTV, entstehen massive Schäden an der Statik und der Bausubstanz des Katzenhauses. Es entstanden/entstehen Risse in den Wänden, durch welche Feuchtigkeit eindringt, was wiederum zur Schimmelbildung führt. Durch die notwendigen, täglichen Desinfektionen sind auch mittlerweile die Böden in so starke Mitleidenschaft gezogen, sodass sie komplett ausgetauscht werden sollten. Auch die Energiekosten, sind klarerweise durch die beeinträchtigte Bausubstanz sehr hoch...

Um die Situation der Katzen und der Mitarbeiter im Katzenhaus zu verbessern, soll das Gebäude saniert und umstrukturiert werden. Die Sanierungsmaßnahmen umfassen wie folgt:

Die Senkung der Energiekosten, durch thermisch abgedichtete Katzenklappen (dadurch kann die Temperatur in den Zimmern bei jedem Wetter konstant gehalten werden)

- Erneuerung der Böden mit Hilfe von Industriebelägen (bessere Belastbarkeit bei Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel)

- Verstärkung der Wände mit Glasfaserplatten (für eine bessere Stabilität)

- Verbesserung der Statik des Gebäudes

- Adaptierung der Innenräume (neue Spiel- und Schlafmöglichkeiten, sowie eine individuellere Gestaltung)

Um dieses Vorhaben auch in die Tat umsetzen zu können, wird ein großer Geldbetrag benötigt... Da sich der Wiener Tierschutzverein fast ausschließlich von Spenden finanziert und diese für das Wohl der Tiere verwendet werden, kann er die Sanierungskosten des Katzenhauses nicht selbst aufbringen. Daher werden für das „Projekt Katzenhaus“ Spenden erbeten. Nähere Informationen hierzu findet ihr auf der Homepage des WTV: „www.wiener-tierschutzverein.org“.

Nachstehend möchte ich über meinen Besuch im Katzenhaus sagen, dass es eine wunderbare Gelegenheit war, Einblicke in die täglichen Bemühungen der Mitarbeiter des Katzenhauses zu bekommen. Ich habe gesehen, mit welcher Zuneigung alles getan wird, um Ataxie-Kater Philipp ein würdiges Leben zu bieten... Auch der Katzenmama mit ihren Kitten, über welche in der Zeitung berichtet wurde, geht es gut (Die Kleinen schnurren so laut, wie kleine Traktoren... :D) in ihrem eigenen Zimmer... Ich finde es großartig, welche tolle Arbeit im Katzenhaus (und natürlich im ganzen WTV) geleistet wird. Deshalb unterstütze ich dessen Arbeit so gut ich kann, denn jeder kann auf seine Art und Weise helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen...:)

Abschließend möchte ich mich recht herzlich bei Fr. Louise-Marie Petrovic und Fr. Fenyvesi bedanken, welche sich die Zeit für einen Rundgang durch das Katzenhaus genommen und mir alle meine Fragen beantwortet haben. Des Weiteren ein herzliches Dankeschön an die Pfleger des Katzenhauses, welche sich ebenfalls die Zeit nahmen, um mir meine spezifischen Fragen zu beantworten. Ich bedanke mich des Weiteren für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der von mir im Katzenhaus gemachten Bilder, sowie für die Verwendung von Bildern welche von der Website „www.wiener-tierschutzverein.org“ stammen.
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