Die Legende der Geparden

02.04.2017 17:16
Vor langer, langer Zeit lebte eine Gepardin zusammen mit ihren Jungen friedlich in der afrikanischen Steppe. Das in der Nähe ein Menschenstamm siedelte, beunruhigte die kleine Tierfamilie nicht; denn jeder hatte sein eigenes Revier und es gab keine Zwischenfälle. Mit einem Wort alles war, wie es sein sollte...

Eines Tages durchstreifte ein Jäger des Menschenstammes - auf der Suche nach Beute - die Gegend und betrat dabei das Territorium der Gepardin und ihres Wurfes. Er ging gerade durch das hohe Gras, als er plötzlich die kleinen Geparden entdeckte. Als der Jäger die Kleinen eine Zeitlang beobachtete, kam ihm folgender Gedanke: Er könnte die Gepardenwelpen mitnehmen und ihnen beibringen für ihn zu jagen...er bräuchte dann nur noch warten bis sie ihm die Beute brächten! Er bräuchte sich also in Zukunft nicht mehr anzustrengen und könnte es sich gut gehen lassen! Dieser Plan gefiel dem Jäger, sodass er diesen ohne über die Konsequenzen nachzudenken sofort in die Tat umsetzte. Er packte die Jungen und nahm sie mit zu seinem Volk. Seinem Stamm erzählte er eine rührende Geschichte über die angeblich armen und verwaisten Großkatzen und alle hielten ihn für einen ehrbaren und großen Jäger, welcher ganz in der Tradition seiner Ahnen handelte.

In der Zwischenzeit war die Gepardenmutter von ihrer Jagd zurück gekehrt. Sie rief ihre Jungen, aber kein einziges ihrer Kinder kam... Sie ließ die Beute liegen und machte sich auf die Suche. Dabei durchstreifte sie das ganze Revier und rief ihre Kleinen immer wieder, doch es kam keine Antwort... Völlig verzweifelt kehrte sie zu ihrer Beute zurück, in der Hoffnung ihre Jungen hätten sich dort wieder eingefunden; doch keines ihrer Kinder war da. Schließlich fing sie bitterlich an zu weinen. Sie weinte die folgende Nacht bis in den Morgen hinein. Durch ihr Weinen und Schluchzen hatte die Gepardin nicht bemerkt, dass sich ihr ein Mann genähert hatte und nun darauf wartete, dass sie ihn wahrnahm. Die Großkatze blickte auf. „Warum weinst Du?“ fragte sie Aliou. Etwas verblüfft antwortete ihm die Gepardin: „Meine Kinder sind weg! Ich kann sie nirgendwo finden! Ich vermisse meine Jungen so sehr! Wo sind sie nur?“ Daraufhin verfinsterte sich der Blick von Aliou, doch zur Katzenmutter sprach er ruhig: „Ich werde Deine Kinder suchen und sie Dir wiederbringen! Einverstanden?“ Die Gepardin nickte schluchzend. Abrupt drehte sich der junge Mann um und ging fort.

Nach kurzer Zeit erreichte Aliou das Lager seines Stammes. Er ließ eine Versammlung einberufen, in welcher er die Lüge des Jägers aufdeckte und die Trauer der Gepardin schilderte. Schließlich sprach der Fürst: „Hört mein Urteil: Ich verstoße den Jäger jetzt und für alle Zeit! Er hat durch sein eigensinniges, respektloses Verhalten große Schande über unseren Stamm gebracht! Dies kann und will ich niemals dulden!“ Als er zu Ende gesprochen hatte, deutete er einigen Männern an, den in Ungnade gefallenen Jäger aus ihren Gebiet zu jagen. Danach rief er Aliou zu sich und sprach: „Dir wird die Aufgabe zu Teil, dass Unrecht welches der Jäger beging wieder gut zu machen! Du wirst der Mutter ihre Kinder wiedergeben! Geh und beeile dich, bevor ein Unglück unseren Stamm erreicht!“ Schnell ging er zu dem nun verlassenen Zelt des Jägers und holte die kleinen Geparden. Er nahm sie auf den Arm und rannte so schnell er konnte an den Ort zurück, an welchen er die Gepardin zuvor getroffen hatte.

Sie saß immer noch bitterlich weinend und schluchzend dort und schien sich seit ihrer Begegnung nicht weg bewegt zu haben... Sie bemerkte Aliou erst, als dieser direkt vor ihr stand. Die Gepardin traute ihren Augen kaum! Ihre Jungen! Ihre Jungen waren wieder da! Aliou setzte die Kleinen vorsichtig auf die Erde und diese stürmten auf ihre Mutter zu, welche sie freudig begrüßte und liebkoste. Lächelnd ging Aliou seines Weges. Nun war alles so wie es sein sollte... doch als ewige Erinnerung an die vergossenen Tränen der Gepardin, tragen seither alle Geparden zwei scharze - von den Augen bis zum Maul reichende - Streifen im Gesicht.
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